Rheinpfalz: “Flexibel gegen junge Wilde” (12.10.2019)

Quasi mit dem letzten Aufgebot nimmt Zweitligist TG Frankenthal den Abschluss der Feld-Hinrunde beim Münchner SC (Samstag, 16 Uhr) in Angriff. Da aber in den vergangenen Wochen die Teams punktemäßig enger zusammengerutscht sind, wäre ein Zähler zum Abschluss der Halbserie für die TG sehr willkommen.

 
Frankenthal. Münchens Trainer Patrick Fritsche findet es gar nicht schlimm, wenn man sein Team als Wundertüte bezeichnet. „Das nehme ich gerne an. Ich finde, das hat etwas Positives“, sagt er. „Alles ist möglich“ ist das Motto, wenn der MSC aufs Feld geht. In der Ergebnisliste stehen Kantersiege wie das 8:1 bei der HG Nürnberg oder das 6:0 beim TC Blau-Weiss Berlin. Allerdings stehen dort auch Heimniederlagen wie das 2:4 gegen die Stuttgarter Kickers und das 1:2 vergangene Woche gegen die Zehlendorfer Wespen.Dass die Münchner solchen Schwankungen unterliegen, liegt daran, dass sie alles auf die Karte Jugend setzen. Wer sich den Kader der Bayern im Internet anschaut, wird achtmal den Verweis „aktueller Nationalspieler“ finden. Beim Blick aufs Alter wird dann klar: Das sind fast alle noch Teenager, also U-Nationalspieler.

„Wir wollen die Jugend stark machen. Das ist eine klare Aufgabe“, betont Fritsche im RHEINPFALZ-Gespräch. Und dabei nehme er dann auch in Kauf, dass Ausschläge kommen – nach oben und unten. „Die emotionale Spielsteuerung fehlt uns noch teilweise. Aber da muss man reinwachsen. Für mich ist das immer, als wenn ich mit 16 jungen und wilden Hunden Gassi gehe“, beschreibt es der MSC-Trainer und lacht.

Die Aufgabe sei gewesen, in Schlagdistanz zur Spitze zu bleiben. Das habe er geschafft. Der MSC geht als Vierter in den letzten Spieltag, einen Zähler hinter der TG Frankenthal. Mit der Entwicklung der Akteure sei er zufrieden. „Wir nutzen unseren breiten Kader.“ Dazu kommt, dass der MSC nicht den einen Top-Spieler habe. Fritsche baut auf das Kollektiv.

In Schlagdistanz zur Spitze ist auch weiterhin die TG Frankenthal, die als Dritter fünf Zähler Rückstand auf Tabellenführer Frankfurt hat. Für Fritsche ist die TG „die positive Überraschung. Sie tun der Liga gut und leben von der Leichtigkeit des Seins.“ Er sei dankbar für solch einen attraktiven Aufsteiger.

Das hört TG-Coach Timo Schmietenknop natürlich gerne. „Ein riesen Lob von einem kompetenten Kollegen.“ Es hilft ihm aber aktuell nicht bei der Kaderzusammenstellung. Vier seiner Schützlinge fallen aus. Marc Beck hat einen Bluterguss im Fuß, Alexander Larbig eine Zerrung und Fridolin Lüschen plagen Knieprobleme. Sebastian Firsching ist privat verhindert. Weshalb der TG-Coach auch vom „letzten Aufgebot“ spricht, das die Reise in die bayerische Landeshauptstadt antritt.

Da ist bei den Verbliebenen Flexibilität gefragt. Vor allem die Abwehr ist mit den vier Stammkräften Manuel Eck, Bastian Schneider, Simon Hayn und Volker Schwindt etwas dünn besetzt. Weshalb Schmietenknop die Mittelfeldspieler Erik Kohlmann und Johannes Zurke bei Gelegenheit auch in der Verteidigung einsetzen will. Dann würde Kapitän Johannes Gans vom Sturm ins Mittelfeld rücken.

Bei den Verletzten will Schmietenknop kein Risiko eingehen. Muss er auch nicht, da die Punkteausbeute mit 16 sehr gut ist. Allerdings: Den Dritten – Frankenthal – und den Drittletzten – TuS Lichterfelde – trennen nur sieben Zähler.

Gegen München kommt es laut Schmietenknop darauf an, die Strafecken gut zu verteidigen. Oder am besten diese erst gar nicht zuzulassen. Auf der anderen Seite bemängelt Schmietenknop, dass seine Truppe selbst zu wenige Ecken heraushole.

„Wir haben es gegen Frankfurt phasenweise gut gemacht“, erinnert sich der TG-Coach an die 2:3-Heimniederlage vor einer Woche. Auch dieses Spiel habe wieder gezeigt, dass die Mannschaft absolut wettbewerbsfähig sei. „Wir werden uns in München so teuer wie möglich verkaufen und schauen, dass wir hinten so lange wie möglich die Null halten“, gibt er die Marschroute vor.

Neidisch schaue er nicht nach München ob der zahlreichen Jugendlichen, die dort im Moment aufdrehen. Ja, München habe den Standortvorteil, mache seit Jahren gute Arbeit. „Aber wir haben andere Qualitäten und keinen super Fußballverein in der Stadt. Bei uns ist es ein Stück weit familiärer.“ Unterm Strich habe jeder Verein seine Vorteile. „Und Wettbewerb belebt das Geschäft“, betont er.

So spielen sie

TG Frankenthal: Bernet, Scharfenberger – Eck, Schneider, Hayn, Schwindt – Kohlmann, Becker, Koperski, Zurke, Seel – Gans, Fuchs, Martens, Hitschler, Cunningham, Reinhard

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